Energiewechsel

Halberstadt: Sanierung Hühnerbrücke – Heißluftverfahren kommt erstmals in Sachsen-Anhalt zum Einsatz

Pressemeldung vom 13. Juni 2012, 08:06 Uhr

Das nachweislich älteste Schulgebäude Halberstadts – das Johanneum –
wird derzeit unter der Federführung des Deutschen Fachwerkzentrums
Quedlinburg(DFWZ) unter ökologischen und Ressourcen schonenden
Gesichtspunkten in gemeinsamer Zusammenarbeit mit der Stadt Halberstadt
saniert. Städtebaulich genießt das Haus mit seiner historischen
Ausfachung und den besonderen Ausmalungen eine hohe Wertigkeit. Die
Baumaßnahme ist ein durch das Land Sachen-Anhalt gefördertes
Pilotprojekt zur energieeffizienten Sanierung.
Seit bereits mehreren Monaten werden Arbeiten, insbesondere
Sicherungsmaßnahmen, im und am Gebäude vorgenommen. Obwohl gerade
kürzlich ein Gerüst abgebaut worden ist, wird das Haus nun erneut
eingerüstet, um es komplett mit einer dicken, verschweißbaren Folie
abzudichten. Dies ist erforderlich, um das erstmals in Sachsen-Anhalt
zum Einsatz kommende Heizluftverfahren zur Beseitigung von Echtem
Hausschwamm, Insektenbefall und Holzwürmern anzuwenden.
Das Prinzip besteht in der Trocknung der Bausubstanz in Verbindung mit
Hitzeanwendung. Heiße Luft (70 bis 90 Grad Celsius) gelangt über
Schläuche mittels spezieller Heißluftgeräte in das völlig
abgedichtete Gebäude. Dabei beträgt die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als
5 bis 10 Prozent. Durch die schnelle Trocknung wird der Befall
abgetötet, Sporen können sich nicht neu entwickeln. Die beiden das
Verfahren betreuenden Holzschutzsachverständigen, Joachim Wießner und
Roland Becker, sprechen von einer „Abtötung, die sofort und endgültig
ist“.
Insgesamt werde es den Experten zufolge durchschnittlich zehn Tage
dauern, um das Haus durch und durch zu erhitzen. Dafür werden drei
Heißluftgeräte benötigt, deren Einsatz rund um die Uhr kontrolliert
wird. Eine Prüfung des Ergebnisses erfolgt nicht nur durch spezielle
Messverfahren, sondern auch durch das Einsetzen von Insektenlarven.
Mit der Anwendung des Heißluftverfahrens habe sich die Stadt
Halberstadt entschlossen, neue, in die Zukunft gerichtete Wege zu gehen,
unterstreicht Stephanie Rudel aus dem Bereich Stadterneuerung. Der
Einsatz von chemischen Mitteln ist seit Ende des vergangenen Jahres
verboten. Seit Februar 2012 lässt eine neue DIN das Heißluftverfahren
zu. Hier kommt keine Chemie zum Einsatz, es gibt keine Rückstände,
Hölzer bleiben erhalten, sofern sie statisch in Ordnung sind. Das
Verfahren habe Modellcharakter und werde in Zukunft häufig zum Einsatz
kommen, sind sich die beiden Holzsachverständigen einig.

Quelle: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Halberstadt

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis