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Haldensleben: Haldenslebens Wiege

Pressemeldung vom 19. Dezember 2014, 15:16 Uhr

Die schriftliche Ersterwähnung Haldenslebens jährt sich 2016 zum 1050. Mal – ein guter Anlass, um nach den Wurzeln der Stadtgeschichte zu fahnden. Und diese liegen bislang weitgehend unbeachtet am Rande des Landschaftsparks in Althaldensleben. Während der vergangenen sechs Wochen untersuchte die Archäologin Juliane Huthmann als Grabungsleiterin des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) mit einem zweiköpfigen Team den Wall der früheren Grafenburg Haldensleben.
Das Archäologenteam legte dazu einen etwa 20 Meter langen Profilschnitt an, anhand dessen die einstigen Burgwallanlagen genauer unter Kelle, Skalpell und Pinsel genommen wurden.

Dr. Götz Alper, Gebietsreferent des LDA berichtet, „dass bereits im Zuge des Feldzugs Karl des Großen gegen die Sachsen im Jahre 784 erste Quellen von der Besiedlung des Areals berichten. Jedoch erst gut 150 Jahre später rückte die Siedlung dann ins offizielle Licht der geschichtlichen Wahrnehmung, die 966 mit der ersten urkundlichen Erwähnung besiegelt wurde.“
Die Größe der Anlage lässt auf eine strategische Bedeutsamkeit im Zuge der sächsisch-slawischen Auseinandersetzungen schließen. Die Ohre war seinerzeit die Grenze zwischen den Gebieten. Drei Grabenbereiche, eine Innen- und Außenwallanlage aus verschiedenen zeitlichen Epochen konnten nun nachgewiesen werden. Der erste Graben wurde wohl während der Zeit der Ottonen um die erste Jahrtausendwende angelegt. Die dazugehörige Wallanlage war vermutlich sechs bis acht Meter hoch. Die Grabung an der inneren Wallanlage förderte zu Tage, dass die ursprünglich aus Holz bestehende Befestigungslage wahrscheinlich später mit einer Steinmauer verstärkt wurde. Ältestes Fundstück war eine Keramikschale aus dem 4. bis 5. Jahrhundert. Dieses stammt damit aus Zeiten, lange bevor die Burg errichtet wurde und lässt auf das germanische Gräberfeld schließen, welches bereits nachgewiesen war. Sichergestellte Tierknochen und Holzreste bedürfen noch einer genaueren Analyse, um sie zeitlich detailliert zuordnen zu können.
1167 wurde die Burg – auf der nach geltender Meinung auch Gertrud von Haldensleben und vermutlich auch ihr Enkel, Lothar von Süplingenburg, der spätere Kaiser Lothar III. lebten – von den Truppen des Magdeburger Erzbischofs Wichmann zerstört. Dafür spricht, dass es keine Fundstücke gab, die jüngeren Datums als aus dem 12. Jahrhundert waren. Die Steine der Burg wurden sicherlich für den ab 1210 beginnenden Klosterbau genutzt, die Reste in die ehemaligen Burggräben verschüttet.

Finanziert wurde die Grabung aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, aus diesem Programm soll nun bis zum Jubiläumsjahr 2016 auch ein neues Wegesystem in Anlehnung an historische Streckenführungen aus dem, 19. Jahrhundert entstehen.

Quelle: Stadt Haldensleben

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